Binärkram

Über diesen Blog und über die Tücken der Effizienzoptimierung

Geht es dir auch oft so, dass du das Gefühl hast, die Welt drehe sich immer schneller?
Alles muss schneller und perfekter erledigt werden und Hektik frisst dich nach und nach schmerzhaft auf….

Bei mir ist das jedenfalls so.
Und ich habe lange über dieses Phänomen nachgedacht und dabei eine krasse Entdeckung gemacht:
Ich habe schlicht und ergreifend verlernt zu chillen!

In diesem Artikel schreibe ich darüber, wie ich zu dieser verblüffenden Erkenntnis kam.
Wie ich versuche, die Leichtigkeit der Jugend wiederzufinden und zu leben.
Und wie dies schlussendlich auch gleichzeitig zum Auslöser für mein Blog-Projekt Binärkram wurde:

Müssen wir einfach nur effizienter werden, um mehr Zeit zu haben?

Ich bin ein bekennender Effizienz-Junkie!
In meinem Job überdenke ich regelmäßig meine Abläufe, erarbeite mir Prozesse, die mir den Arbeitsalltag beschleunigen und versuche permanent jede einzelne Sekunde optimal auszulasten.

Dieser Zwang zur Effizienz begann schon zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn, als ich noch bei einem kleinen lokalen Fernsehsender Kamera und Bildschnitt lernte.

Dort wurde ich quasi auf Schnelligkeit getrimmt.
Oft bekamen wir das neueste Videomaterial eine Stunde vor der Sendung.
Das heißt, man hatte exakt 59 Minuten und 50 Sekunden Zeit um daraus einen Beitrag zu schneiden.

Da gab es keine Zeit für Überlegungen.
Da musste man funktionieren und in Rekordzeit schneiden.

Aber dieses Glücksgefühl, einen Beitrag auch unter den absolut kuriosesten Bedingungen noch rechtzeitig in die Regie gebracht zu haben, war unbezahlbar.

An sich ist Effizienz eine tolle Sache, hat aber einen ganz großen Nachteil…

Ich finde es sehr cool, dass ich so rasant am Rechner arbeite.
Wenn mir in meinem tagtäglichen Job als Grafik-Designerin meine Kunden über die Schulter blicken, werde ich oft gefragt wie ich es schaffe, es so schnell zu sein.
Das motiviert und freut mich sehr.

Aber diese Geschwindigkeit hat auch einen ganz großen Nachteil:
Sie laugt mental und körperlich aus.

Auf Dauer funktioniert das einfach nicht, immer schnell und maximal effizient zu sein.
Das Energiepotenzial meines Gehirns und auch meines Körpers ist begrenzt. Je effizienter ich arbeite, desto mehr Energie benötige ich.

Und genau das ist die große Falle an der permanenten Effizienzoptimierung:
Man wird zwar immer schneller und erreicht immer mehr Ergebnisse in weniger Zeit. Aber man fühlt sich gleichzeitig immer müder, ausgelaugter und hat nicht mal mehr die Energie, sich an seinen Ergebnissen zu erfreuen.

Mehr Arbeit in weniger Zeit? Ich habe lange reflektiert, warum das mich nicht dauerhaft glücklicher macht.

Mein persönliches Fazit:
Das Leben als Effizienzmaschine erfüllt mich nicht langfristig.
Ich hatte zeitweise nicht mal die Muse, meine Ergebnisse genießen zu können. Stattdessen fiel ich müde ins Bett in einen traumlosen Schlaf.

Die Corona-Zeit hat den Prozess der Effizienzoptimierung noch mal beschleunigt.
Die Zeit wurde knapper.
Denn ich musste in meinen doch schon recht vollen Arbeitsalltag auch noch mehrere Stunden Homeschooling unterbringen.
Das hat auch eine Weile funktioniert, indem ich meinen Schlaf gekürzt und meine Effizienz noch mal gesteigert habe.

Aber es funktionierte eben nur eine Weile.

Ich kam man einen Punkt, an dem ich extrem ausgelaugt war. Ich habe funktioniert. Mehr aber auch nicht.

Um die Weihnachtszeit kam die Wende:
Ich stand monatelang um vier Uhr früh auf um zu arbeiten und um im Anschluss Zeit für das Homeschooling zu haben.

Deshalb war ich auch in der Weihnachtszeit um vier Uhr wach.
Es war dunkel, es war ruhig und ich setze mich vor unseren wundervollen Weihnachtsbaum aufs Sofa und hatte zum ersten Mal Zeit zum Nachdenken.

Ich klickte mich zum ersten Mal seit langem ohne großem Ziel durch YouTube.
Einfach so – zur Unterhaltung.

Bei den Musikvideos aus meiner Jugendzeit bleibe ich hängen.
Ich sah mir das Video “Could it be magic” von Take That an.

Und ich erinnerte mich an die Zeit, als dieses Video auf MTV die ersten Male zu sehen war.
Ich erinnerte mich, wie ich mir vorstellte ebenfalls in diesem Video zu tanzen. So wie das Mädchen in dem roten Kleid.

Und ich erinnerte mich an die Leichtigkeit, die ich in dieser Zeit spürte.
Klar hatte ich Stress, wenn die nächste Klausur anstand. Oder ich war traurig, weil mein aktueller Schwarm mich an diesem Tag kein einziges Mal angesehen hatte. Aber im Großen und Ganzen war das Leben völlig easy und schwerelos.

Dann habe ich darüber nachgedacht, warum mein Leben in der Jugend so unbeschwert war.

Und ich habe festgestellt, dass ich zu dieser Zeit zwar am Morgen, aber weniger an übermorgen gedacht habe.

Das Zimmer ist nicht aufgeräumt?
Egal.

Die beste Freundin sieht mich ohne Make-Up mit allen Pickeln, die aktuell so sprießen?
Macht nichts.

Ich bin hingefallen und habe mir das Knie aufgeschrammt?
Das heilt wieder.

Ich habe mehr im Moment gelebt.
Und ich habe öfters fünf gerade sein lassen.

Manche Themen, die heute so wichtig erscheinen, waren damals völlig irrelevant.

Doch warum spüre ich heute nicht mehr diese Leichtigkeit der Jugend in mir?

Ich habe mein Leben damals mit dem Leben von heute verglichen.

Ich bin dazu zu einem verblüffenden Ergebnis gekommen:
Der Ball liegt definitiv bei mir!

Heute versuche ich jede einzelne Minute maximal sinnvoll und effizient auszunutzen:
Einfach mal sinnlos chillen?
Nicht effizient genug.

Einfach mal Löcher in die Luft gucken?
Nicht sinnvoll genug.

Also habe ich versucht wieder ein bisschen die Leichtigkeit in mein Leben zu lassen.
Ich wollte mir bewusst Auszeiten nehmen, um aus dieser Effizienz Spirale herauszukommen.

Das mit den bewussten Auszeiten war gar nicht so einfach. Denn ich habe tatsächlich verlernt zu chillen!

Sobald ich meinem Gehirn Luft gab, sich frei zu bewegen, drängte sich der Gedanke in meinem Kopf, ob das, was ich gerade tue, auch wirklich Sinn macht.

Bis ich Stift und Papier in die Hand nahm und mit dem zeichnen begann.
Denn mit diesem analogen Malutensilien muss man sich zur Langsamkeit zwingen.
Während ich am Computer eine Fläche in A3 in 15 Sekunden in Rot einfärbe und mit einem Grunge-Muster versehe, braucht es dazu mit Pinsel und Farbe locker hundertmal so viel Zeit.

Beim Zeichnen muss ich mich zur Langsamkeit zwingen.
Das ist für mich als Effizienz-Junkie sehr schwer.

Aber ich arbeite daran.
Und ich spüre das mit dieser Langsamkeit als Ausgleich zu meinem durchgetakteten Arbeitsalltag extrem guttut.

Auf diesem Blog werde ich dich mitnehmen auf eine Reise durch die Welt der Langsamkeit.
Und ich freue mich, wenn du mit dabei bist.

Deine Miri von Binärkram

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Kennst du auch das Dilemma, wenn die permanente Selbstoptimierung einen nach und nach auffrisst?
Lass mir einfach einen Kommentar da, wie das bei dir aussieht.

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