Binärkram

Trotz ist ein fantastischer Motivator!

Es gibt drei wesentliche Eigenschaften, die mein heutiges Ich stark prägen und auch meine berufliche Entwicklung beeinflussen:

  1. Das logische Denken
    Ich liebe alles, was mit Zahlen und Codes zu tun hat.
  2. Die gestalterische Kreativität
    Farben & Formen zu kombinieren – egal ob digital oder Analog – haben mich meinen kompletten Berufsweg begleitet.
  3. Und der betriebswirtschaftliche Pragmatismus
    Man kann sich zugegeben sehr schnell in der Poesie der Quellcode oder im Detail einer Grafik verlieren. Aber gleichzeitig tickt bei mir im Hinterkopf immer die Effizienz-Uhr mit, die immer überprüft, ob das, was ich tue auch unter dem Strich zu einem adäquaten Preis zum Ziel führt

Ich habe lange über diese verschiedenen Eigenschaften gebrütet, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen.

Warum bin ich so, wie ich bin?
Welche Stationen in meinem Leben haben mich maßgeblich geprägt?

Und ich habe tatsächlich einen gemeinsamen Nenner gefunden:
Der Antrieb, diese Fähigkeiten zu entwickeln war bei allen gleich:

Es war der blanke Trotz!

„Mein Papa sagt, es ist nicht schlimm, wenn ich in Mathe eine 4 habe – weil ich eben ein Mädchen bin…“

Nein, das sagte nicht mein eigener Vater zu mir.
Eine Schulfreundin aus der zweiten Klasse plauderte munter darüber auf dem Heimweg.

In mir regte sich sofort der blanke Trotz.
Warum sollten Mädchen grundsätzlich schlechter logisch denken können, als Jungs?

Also beschloss ich, der Welt zu zeigen, dass diese Theorie nicht stimmt.

Ich bin bis heute der Meinung, dass genau dieser Trotz mich dazu bewegte, in den mathematischen Fächern besonders gut zu sein 🙂

Bytheway: Es mag sehr altmodisch klingen, dass man Mädchen weniger mathematisches Verständnis zutraut. Aber meine Grundschulzeit ist auch schon ein paar schöne Jahre her 🙂

Allerdings auch in unserer heutigen Zeit stelle ich immer wieder verblüfft fest, dass sich manche Menschen wundern, wenn Frauen programmieren oder technische Berufsbilder wählen.

Ich denke, da haben wir in Bezug auf die Gleichberechtigung durchaus noch einen ordentlichen Weg vor uns.

Ich liebe es, zu malen – aber in der Grundschule war Kunst meine schlechteste Note…

In den ersten 4 Schuljahren war ich so eine richtige Musterschülerin. Am Ender der vierten Klasse hielt ich ein grandioses Zeugnis mit sieben Einsen und zwei Zweien in den Händen.

Ähm, hüstel – die Zweien hatte ich in  Kunst und Sport…

Aber ein einziges Mal stand eine 3 im Zeugnis.
In einem Fach, in dem fast die ganze Klasse nur Einser und Zweier hatte.

Ihr ahnt schon, um welches Schulfach es sich handelt:

Um Kunst.

Jahrelang dachte ich, dass ich nicht kreativ sei.
Am Gymnasium bewunderte ich die Ausstellungen der Kunst-Leistungskursler.

Zu gerne hätte ich auch solche Werke erstellt – aber ich wusste ja, dass ich nicht künstlerisch begabt sei.

In der elften Klasse eröffnete mir mein Kunstlehrer, dass er den nächsten Kunst-LK bekäme und wir uns dort sehen.

Ich fragte verdattert, wie er auf die Idee käme, dass ich Kunst-Leistungskurs wählen würde.

Er stellte die Gegenfrage, wie ich auf die Idee käme, keinen Kunst-LK zu wählen.

Erst da wurde mir bewusst, dass ich eigentlich seit Jahren nur noch Einser in Kunst hatte. Aber in meinem Kopf war die Einstellung der fehlenden Kreativität noch aus der Grundschule fest verankert.

Aber da war er wieder: Der Trotz.
Denn ich dachte mir, dass ich es ja meiner damaligen Lehrerin zeigen könne, dass ich es doch kann.

Also machte ich mein Abitur in Kunst.
Volle Punktzahl!

Und Jahre später traf ich zufällig auf meine Lehrerin aus der Grundschule. Und ich erzählte ihr mit einem dezenten Hauch an trotziger Stimme, dass sie mir meine schlechteste Note der ganzen Grundschulzeit in Kunst gegeben hatte und ich nun mein Abi mit 15 Punkten genau in diesem Fach absolviert hatte.

In diesem Moment war mir klar, dass es nicht von der Meinung andere abhängt, was ich gerne tue und wofür mein eigenes Herz brennt. Sondern es kommt auf mich selbst an, wie ich mich sehe und einschätze.

Aber wie auch immer: Es hat verdammt gut getan, das dieser Lehrerin zu erzählen 🙂

„Wenn du dein BWL-Studium abbrichst, kannst du gerne jederzeit wieder hierherkommen – hier ist immer ein Platz für dich frei.“

An sich war das ein sehr schöner Satz meines ehemaligen Chefs beim Fernsehsender TV touring. 2 Jahre lernte ich dort im Volontariat Kamera und Bildschnitt und hatte vermutlich die aufregendste Zeit meines Lebens.

Aber auch, wenn er das gut gemeint hatte – mir war klar, dass kaum jemand mir zutraute, dass ich als Kreativ-Mensch ein Studium wie BWL durchhalten würde.

Und just in diesem Moment spürte ich wieder den antreibenden Trotz.

„Ich schaffe das – und jetzt erste recht“

Das Studium war zugegeben wirklich ab und an etwas dröge.
Wir mussten uns durch die trockenen Texte der Arbeitsgesetze durchackern, lernen wie man Produktionsstraßen effizient plant und diverse bürokratisch-schräge Regelungen auswendig zu rezitieren.

Aber immer, wenn es schwer wurde, dachte ich an die Worte meines ehemaligen Chefs zurück.

Und was soll ich sagen: Der Trotz schaufelte eine enorme Energie frei, sich doch durch die langweiligsten Schriftstücke zu beißen 🙂

Heute habe ich gelernt, den Trotz bewusster wahrzunehmen und (aus) zu nutzen.

In diesen beschriebenen Situationen verwechselte ich das Gefühl des Trotzes mit hilfloser Verzweiflung.

Erst als ich älter wurde, erkannte ich die wunderbare Kraft, die der Trotz entwickeln kann.

Und auch heute nutze ich solche Phasen in verschiedenen Situationen.

Ja, und selbst mein Mann hat schon gelernt, dass er bei mir den Trotz wecken muss, damit ich in die Pötte komme 🙂

Wir können viel bewegen, wenn wir uns dahinter klemmen.
Mehr, als wir vielleicht zunächst denken 🙂

Wie ist das bei dir?

Hast du auch schon aus Trotz etwas erst recht in Angriff genommen?

Um danach festzustellen, dass du das kannst?

Schreibe es mir gerne in die Kommentare!
Ich freue mich auf deine bewegenden und inspirierenden Geschichten.

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